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DIE REVOLUTION
DER MEDIEN
Am Ende des 20. Jahrhunderts wird die Revolution der Medien zur faßbaren,
drängenden Realität. Datenautobahnen umspannen den Globus, weltweite elektronische
Netze verändern die Wirtschaft, die Informationssysteme die Unterhaltungsangebote.
Computeranwendung und Medientechnik wachsen zu multimedialen Online-Diensten
zusammen und bilden die Märkte von morgen. Architektur reagiert in vielfältiger
Weise auf diesen dynamischen Kontext. Professionelle Nutzer setzen nicht
nur auf fortschrittliche technologische Standards von Kommunikation, was
Soft- und Hardware anbelangt: Sie erwarten auch den adäquaten architektonischen
Rahmen. Dessen - tatsächliche oder vermeintliche - Kompatibilität wird
zum Image- und Marketingfaktor.
Im Zukunftsepos Medienzeitalter spielt Architektur einen wichtigen Part:
Sie soll das real erfahrbare Szenario sein, das einen Vorgeschmack auf
die Wunder virtueller Wirklichkeitbilder vermittelt. Aber die scheinbare
schlüssige Rollenzuteilung täuscht. Denn dahinter lauert eine grundlegende
Paradoxie. Entgrenzung steht gegen Umbauung, die Wesenslogik virtueller
Realität braucht Architektur als stabiles Objekt immer weniger, macht
diese in letzter Konsequenz sogar obsolet. Simultanität, Synchronität,
Permanenz, Immaterialität, Unmittelbarkeit, Globalität sind einige der
sich konstituierenden Kriterien. Der virtuelle Bildraum wird angefüllt
mit elektronischen Informationen, Kommunikation und Unterhaltung, ist
überall verfügbar und somit zeit- und ortlos. Dezentral atomisiert hängen
die Nutzer - ob Mitarbeiter, Kunden, Freizeitsurfer etc. - per Modem an
der elektronischen Nabelschnur von Internet und Intranet. Was sie sehen
und erleben ist kein Abbild oder die bloße Simulation von Wirklichkeiten,
sondern eine neue immaterielle Realität „sui generis„: Sämtliche Interaktionen,
Transaktionen und Arbeitsprozesse konfigurieren sich im Überall und Nirgendwo
des Netzes.
Den digitalen Zivilisationsbruch charakterisiert nicht nur die partielle
Ablösung der schriftfixierten Gutenberg Ära durch die Herrschaft der Bilder.
Der französische Philosoph Paul Virilio konstatiert: „Die Geschwindigkeit
frißt den Raum. Mit der Telekommunikation hat die Moderne die absolute
Geschwindigkeit erreicht. Alles ist live, direkt - in der realen Zeit.
DIE AUFLÖSUNG DER
ARCHITEKTUR ?
Das Ende der Distanz und des Zeitdiktates wird zur Umkehrung und Vollendung
der individuellen Mobilität. Keine Reise ist mehr nötig, die Welt kommt
dorthin und findet da statt, wo der Bildschirm steht. Wenn aber im Medienzeitalter
das Design von „Datenströmen„ oder die Architektur von „Soft- und Hardware„
zur eigentlichen innovativen Gestaltungsaufgabe wird, dann entpuppt sich
Architektur als Anachronismus: „Nicht überflüssig, aber in Frage gestellt„,
wie Rem Kohlhaas schon 1995 sarkastisch feststellte: „Unsere gebündelte
Weisheit läßt sich so darstellen: Nach Derrida können wir nicht ganz,
nach Baudrillard nicht mehr wirklich und nach Virilio überhaupt nicht
mehr vorhanden sein„. Ein ziemlich unwirkliches Umfeld für einen Berufszweig,
dem es auf Gedeih und Verderb immer nur um das ganze Wirkliche und Vorhandene
geht.
Funktional findet eine Auflösung der monothematischen Programme statt.
Das Ergebnis sind neue Nichtarchitekturen - Hybride Bauten - die Funktionen,
die bisher streng getrennt waren, überlagern. Man setzt auf die „ Alchemie
der Mischnutzung. „ Die Prozeßstrukturen und Organisation von Beziehungen
werden zunehmend virtueller. Sie existieren primär via Software und Internet
, kaum noch als gebaute Umgebung. Hyperlinks sind wichtiger als räumliche
Zuordnungen. Im digitalen Eden mischen sich private und berufliche Sphären
immer mehr zusammen.
Konstruktiv löst aber Architektur im Medienzeitalter endlich auch das
ein, was die Begründer der Kybernetik vor 50 Jahren antizipierten. Heute
entwickeln sich Gebäude zu selbständig sich steuernden und sich selbst
generierenden Maschinen. „Das Technische ist zum Gesellen des Tektonischen
geworden„ so der Architekturkritiker Manfred Sack. FRAGEN ÜBER FRAGEN.....
Die Transformation der Konstruktion zu einem sensiblen Interface zwischen
umbauten Raum und umgebender Umwelt verändert vor allem den Charakter
der Gebäudehülle. Sie wird zur Haut, der als Klima- und Lichtmembran neue
technische wie ästhetische Qualitäten zukommen.
Auch wenn der Anschein von Permanenz (Bauten sind dauerhaft, sie bestehen
aus Beton, Stahl, Glas etc.) immer stärker durch das immaterielle Erscheinungsbild
abstrakter Systeme (digitale Bilder, Fernsehwelt etc.) in Frage gestellt
wird, verhält es sich faktisch eher umgekehrt. Die paradoxe Lage der Architektur
im Medienzeitalter verschärft sich tendenziell zum Antagonismus - der
Cyberspace ist kein Zuhause, er gefährdet den sozialen Zusammenhalt.
Für die Architektur gewinnt daher die Besinnung auf ihre elementare, indentitätsstiftende
Rolle wieder an Gewicht. Die Flüchtigkeit der Nutzung elektronischer Netze
wird sich daher in einer stärkeren Betonung von Dinglichkeit, Örtlichkeit,
Grenzen und festen Wänden bemerkbar machen. Intelligente Räume sind dann
nicht länger jene, die auf die optimale Unterbringung oder Inszenierung
multimedialer Technologien zugeschnitten sind, sondern solche, die die
Chancen digitaler Technologien und selbstgesteuerte Systeme einsetzen
für die Humanisierung von Lebensfeldern.
Utopia liegt für die Architektur weiter in der realen - und nicht in der
virtuellen - Welt.
Städtebauliche Überlegungen
Prinzipien der
Gestaltung
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